INTERREG IIIB NWE und EGHN


In allen Regionen Europas gibt es Parks und Gärten: Einige haben international hohen kulturhistorischen Rang, andere sind von eher regionaler Bedeutung, einige überzeugen mit herausragenden Pflanzensammlungen, andere durch ihren Gesamtentwurf oder die Geschichte der Menschen, die dort gewirkt oder gelebt haben. Für Besucher ist jede Anlage auf ihre Art ein Erlebnis, wobei Erwartungen und Stimmungen auch von der umgebenden Kulturlandschaft bestimmt werden. Der Besucher nähert sich einem Garten an der Loire, in der Hitze Spaniens oder an den oberitalienischen Seen anders als einem Garten in der hügeligen englischen Landschaft oder in der flachen Landschaft des Niederrheins.

Vor dem Hintergrund dieser Vielfalt war es für das European Garden Heritage Network eher ein Vorteil als ein Nachteil, dass mit der Förderung aus dem INTERREG-IIIB-Programm für Nordwest-Europa, sein Arbeitsfeld zunächst auf Großbritannien und Irland, die Niederlanden, Belgien und Luxemburg sowie Teile Frankreichs und Deutschlands beschränkt wurde und mit der Wahl der ersten Partner aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland eine weitere Eingrenzung erfolgte. Eine räumliche Einschränkung, die - so sind sich die Partner einig - in der Zukunft abgebaut werden soll.

Nordwest-Europa ist ein Kernland in der Entwicklung der Gartenkunst. Hier haben sich die unterschiedlichen Gartenepochen und Gartenstile entwickelt (z.B. der englische und französische Garten), die Liste der herausragenden Anlagen ist lang und in der internationalen Fachwelt und unter Gartenliebhabern bekannt.

Für die Partner und Förderer des EGHN stehen überwiegend die noch unbekannteren Parks und Gärten im Mittelpunkt. Dies nicht nur, weil sie es wert sind, entdeckt zu werden, sondern weil sie allen Besuchern einen angenehmen Aufenthalt und ungestörten Genuss bieten können sowie über Potentiale für ihre Weiterentwicklung und stärke Inwertsetzung für die Region verfügen. Solche Parks und Gärten gibt es viele: So sind z.B. allein für England im Register of Parks and Gardens of special historic interest in England (verwaltet durch English Heritage) fast 1.450 Anlagen gelistet. Bestandsaufnahmen in Nordrhein-Westfalen dokumentieren ebenfalls eine erstaunlich hohe Zahl zugänglicher, historischer Gartenanlagen.

Das INTERREG-IIIB-Programm für Nordwest-Europa spricht ausdrücklich von der Bedeutung einer historischen Umwelt und stellt Mittel für den Schutz und die kreative Aufwertung von historischen Stätten, Monumenten und Kulturlandschaften bereit. Die Förderung des kulturellen Erbes als Potential für die wirtschaftliche Entwicklung ist dabei nur ein Aspekt. Zudem will das Programm lokale und regionale Identität stärken und Kultur als unverzichtbares Element in der Entwicklung der Gesellschaft hervorheben und fördern.

Damit nimmt das INTERREG-IIIB-Programm frühzeitig Tendenzen auf, die sich in Planungs- und Entwicklungskonzepten, aber auch in der Wahrnehmung in Politik und Gesellschaft erst langsam durchzusetzen beginnen: Kulturelles Erbe und Denkmäler sowie die Kulturlandschaft allgemein sind nicht nur schützenswert an sich, sondern sie können für nachhaltige Regionalentwicklung, die den Ausgleich zwischen Ökonomie, Ökologie, sozialer und kultureller Verantwortung zur Handlungsmaxime erklärt hat, als Potentiale besonderer Qualität in Wert gesetzt werden und positive Entwicklungen anstoßen oder stärken. Das European Garden Heritage Network hat diese Vorreiterrolle des INTERREG-Programms weiterentwickelt in dem Sinne, dass Parks und Gärten mit der sie umgebenden Kulturlandschaft ins Zentrum seiner Konzepte und Maßnahmen gestellt werden.

Die Chancen einer breiten Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Bevölkerung und damit meist auch die Verfügbarkeit von Finanzmitteln steigen, wenn es gelingt, das Bewusstsein für die einmaligen Qualitäten von Parks und Gärten - zum Beispiel durch neue Informations- und Ausbildungskonzepte - zu steigern, neue Besuchergruppen zu gewinnen, die Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität zu verbessern sowie Parks und Gärten als Teil der Kulturlandschaft und regionalen Ökonomie in lokale und regionale Entwicklungskonzepte einzubinden. Historische und neue Parks bieten hierfür vielfältige, sich oft ergänzende Potentiale, die es aktiv in Wert zu setzen gilt. Beispiele hierfür finden sich bereits in den Regionen und in den Parks und Gärten des EGHN. Hierauf aufbauend und mit innovativen Ideen, die sich aus der internationalen Zusammenarbeit ergeben, entwickelt und testet das European Garden Heritage Network modellhaft Innovationen, die übertragbar sein sollen und somit nicht nur in den Partnerregionen und nicht nur im Nordwesten Europas zur Aufwertung von Parks und Gärten und zur Steigerung der Zufriedenheit ihrer Besucher beitragen werden.