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Schlosspark Hovestadt
Im südlichen Münsterland liegt an einer Schleife der Lippe Schloss Hovestadt. Das wohl ursprünglich als Vierflügelbau geplante Herrenhaus steht auf einer Insel im großen Hausteich. Der Zugang zur Vorburg erfolgt durch zwei Torhäuser, die von vier eingeschossigen Wirtschaftsbauten flankiert werden. Der Ausbau der Vorburg mit diesen Gebäuden erfolgte nach der Übernahme des Schlosses durch die Familie von Plettenberg und nach Plänen des Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun. Die Schlosskapelle und eine Orangerie sind in die langgestreckten Gebäude integriert. Die von Norden nach Süden verlaufende Auffahrtsachse vom Schloss zu den Torhäusern wird durch eine Allee aus Rosskastanien betont. Sie wird in der Mitte durch eine optische Ost-Westachse gekreuzt.
Östlich der Vorburg liegen die von einer Gräfte umschlossenen Gartenanlagen des Schlosses. Die Anlagen wurden ebenfalls um 1733 im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Wirtschaftsbereiches erstellt. Ein "Situationsplan mit Gärten" aus dem 18. Jahrhundert, die einzige historische Quelle über den Garten, zeigt die Anlagen in geometrischen Formen nach französischem Vorbild. Die gegen Ende des 18. Jahrhunderts geplanten Erweiterungen des Schlossgartens um Anlagen im frühen landschaftlichen Gartenstil kamen letztlich nicht zur Ausführung. Der fürstlich schaumburg-lippische Architekt und Landbaumeister Clemens August von Vagedes plante seinerzeit rund um das Schloss zahlreiche Gartenbereiche, mit denen er die bestehenden spätbarocken Gärten behutsam ergänzen wollte. Kurz vor Baubeginn starb von Vagedes 35jährig, seine Planungen wurden nie ausgeführt. Nach der Blütezeit der Gärten und der Zeit der intensiven Pflege und Nutzung verwilderten die Anlagen zunehmend, der Park verfiel in einen Dornröschenschlaf. Erst in den 1990er Jahren keimten Bestrebungen auf, den Schlossgarten wiederzubeleben. Obwohl keine detaillierten Pläne aus der Entstehungszeit des Gartens vorhanden waren, ließ sich anhand des Übersichtsplanes aus dem 18. Jahrhundert feststellen, dass sich an den Grundstrukturen und der Art der Bepflanzung bis dato nichts verändert hatte. Der Urzustand des Gartens konnte somit im Rahmen einer Instandsetzung von 1994 bis 1997 in großen Teilen wieder erlebbar gemacht werden. Intensive, mittlerweile raumbildende Baumpflanzungen aus dem 19. Jahrhundert wurden jedoch erhalten und nicht der puristischen Rebarockisierung geopfert. Seit 1997 sind die Gartenanlagen am Schloss Hovestadt der Öffentlichkeit zugänglich.
So wird dem heutigen Besucher ein interessanter Eindruck von einem typischen, spätbarocken Garten des westfälischen Landadels vermittelt. Diese Gartenanlagen hatten in ihrer Entstehungszeit keinen besonderen Anspruch an Repräsentation. Sie waren vielmehr dem Vergnügen und der Unterhaltung der Besitzerfamilie vorbehalten. Das weitläufige Gräftensystem umspannt die Schlossanlage und gliedert auch den Park in einzelne, deutlich voneinander getrennte Gartenpartien: Der ehemalige Nutzgarten, ein von hohen Windschutzhecken umfriedeter Gartenteil, wird heute als Weide und zur Kultivierung von Nadelgehölzen genutzt. Durchblicke in den Hecken auf der Hälfte der Mittelachse lassen noch heute die optische Nord-Südachse erkennen. Im Osten schließt sich der "Sternbusch" mit seinen von hohen Hecken umfassten acht Wegen an, die von einem Mittelplatz ausgehen. Die Diagonalachsen dieses Wegesystems sind von untergeordneter Bedeutung, die Nord-Südachse jedoch leitet zum anschließenden Boskett mit dem Heckentheater über. Im südlichen Bereich dieses Gartenquartiers liegt ein runder Baumsaal, ein Kranz aus 6 mächtigen, hochgewachsenen Linden. Das Heckentheater besteht aus einer doppelreihigen Hainbuchenhecke. Die in der Verwilderungszeit der Anlage durchgewachsenen Hainbuchen sind mittlerweile wieder gut gepflegt. Im Scheitel des halbmondartigen Heckenraumes befinden sich die "Bühne" sowie die perspektivischen Heckenkulissen mit Seitengängen.
Über eine weiße Holzbrücke gelangt man auf die Garteninsel östlich des Schlosses. Diese fast quadratische, ganz im Wasser gelegene Fläche, stellt heute eine waldartige Kulisse dar. Ein Wegesystem entlang der Grenzen erlaubt einen Rundgang durch diesen Gartenteil mit reizvollen Ausblicken auf das Schloss und die umgebende Landschaft. An den Nordwest- und Südwestecken sind kleine Sitzplätze ausgespart. Der aufmerksame Beobachter bemerkt in der Mitte der Garteninsel eine große, abgesenkte Fläche. Ob es sich bei dieser Fläche um einen ehemaligen Weiher oder möglicherweise um ein sogenanntes "Boulingrin", eine Rasenfläche für Ballspiele handelt, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Der Garten auf der Schlossinsel ist der heutige Privatgarten der gräflichen Familie und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Eindrückliche der Gartenanlagen am Schloss Hovestadt sind die raumbildenden Strukturen der Hecken- und Baumpflanzungen. Ein Besuch des Parks ist deshalb vom Austrieb des Laubes im Frühjahr bis zum Laubfall im Herbst zu empfehlen. |
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