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Schlosspark WilhelmsthalEin Gesamtkunstwerk von Schloss und ParkNachdem Prinz Wilhelm (1682 – 1760) 1743 das alte Gut „Amelienthal“ nördlich der hessischen Haupt- und Residenzstadt Kassel übernommen hatte, begann er mit der Umwandlung des bescheidenen Anwesens in ein großzügiges Lust- und Jagdschloss nach neuestem französischen Geschmack („Maison de plaisance“). Als großer Kunstkenner und Kunstsammler – er begründete die berühmte Kasseler Gemäldesammlung – legte Wilhelm besonderen Wert auf höchste Qualität. Es gelang ihm, einige der bedeutendsten Künstler des 18. Jahrhunderts zur Mitwirkung an dem Projekt zu gewinnen, darunter den kurbayerischen Hofarchitekten François de Cuvilliés (1695 - 1768) und den königlich-preußischen Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699 - 1753).
Zunächst wurde 1743 mit der Anlage des Gartens begonnen, vier Jahre später mit dem Schlossbau. Nach längerer Unterbrechung durch den Siebenjährigen Krieg und den Tod Wilhelms wurden Schloss und Park erst in den 1770er Jahren unter Landgraf Friedrich II. (1720 - 1785) nach teilweise geänderten Plänen fertiggestellt. Ab 1796 ließ Landgraf Wilhelm IX. (1743 - 1821) den Park zum Landschaftsgarten umgestalten, der bis heute weitgehend erhalten ist.
Der Park hat eine ungefähr fünfeckige Form, die aus der Geländesituation mit dem früher von zwei Wasserläufen eingefassten Weinberg in der Mittelachse entwickelt wurde. An seinem Fuß platzierte man das Schloss zwar an der tiefsten Stelle im Gelände, hob es aber als Mittelpunkt eines vielfältigen und über den Park hinausreichenden Achsensystems besonders hervor. Diese später verunklarte Struktur wurde seit den 1960er Jahren stellenweise durch neue Baumpflanzungen wieder stärker herausgearbeitet. So entstand etwa die vom westlich am Waldrand gelegenen „Lindenrondell“ auf das Schloss zulaufende Meimbresser Allee neu, deren Achse dann von den mittleren Lindenreihen im Park bis zum „Wiesenrondell“ auf der Anhöhe fortgeführt wurde. Zutritt in den teilweise von einer Mauer umgebenen Park gewähren zwei große eiserne Gittertore zwischen mächtigen Steinpfeilern. Durch das südliche wird die von Schloss Wilhelmshöhe kommende Rasenallee in den Garten verlängert, während auf das Haupttor im Westen ein von Waldahorn gefasstes kreisförmiges Bowlinggreen folgt. Zwei erst nach dem Siebenjährigen Krieg von Hofbaumeister Simon Louis Du Ry (1726 - 1799) errichtete Wachtgebäude leiten zum Ehrenhof des dreiflügeligen Schlosses über.
Vor der Gartenfassade des Corps de Logis war in der Mittelachse eine große Kaskade vorgesehen, die von dem höher gelegenen ovalen Reservoir (heute „Wiesenrondell“) gespeist werden sollte. Das als herausragendes Schaustück der Gesamtanlage geplante Bauwerk wurde jedoch nie vollendet; an ihre Stelle trat um 1800 der Teich in scheinbar natürlicher Landschaft.
Noch zu Lebzeiten Wilhelms wurde dagegen die Südachse fertiggestellt. Heute ergibt sich nach der Wiederherstellung des bei der landschaftlichen Umgestaltung zugeschütteten Kanals, den seitlich davon vorgenommenen Neuanpflanzungen von vierreihig angeordnetem Feldahorn und Heckenpartien wieder ein annähernder Eindruck des alten Zustandes. Den Abschluss von Kanal und ovalem Becken, die im Sommer von Wasserspielen belebt werden, bildet die architektonisch anspruchsvolle Grotte. Auf einen Entwurf Knobelsdorffs zurückgehend, präsentiert sie sich heute allerdings in sehr reduzierter Form, da von der einst reichen und vielgerühmten Ausstattung des Innenraums nichts mehr erhalten ist. Hingegen vermitteln zahlreiche seinerzeit aus den Niederlanden gelieferte Putten, Blindekuh spielend oder mit Attributen versehen, einen Eindruck vom ursprünglich viel umfangreicheren und inhaltlich auf die Natur und die antike Mythologie anspielenden Figurenprogramm im Park. Von den ursprünglich östlich der Grotte folgenden zwei Wasserbecken ist nur noch das hintere gefüllt. Seitlich standen einstmals die aufwändig gestalteten und vielbewunderten „Chinesischen Häuser“, die zur Unterbringung des kostbar-exotischen Geflügels des Landgrafen dienten. Wie der Leipziger Literaturprofessor Johann Christoph Gottsched bei einem Besuch 1753 beobachtete, fand der Fürst hier entspannende Abwechslung bei der Fütterung der Tiere: „ ... gewiß ein sehr anmutiges Schauspiel, da diese sehr zahm gewordnen Vögel den sie lockenden Herrn haufenweise umzingelten, ja ihm auf Haupt und Schultern flogen.“ Aus der Zeit der Umgestaltung zum Landschaftsgarten stammt der von Du Ry um 1799 auf der höchsten Stelle des Weinberges erbaute Wartturm in mittelalterlichen Formen. Text: Gerd Fenner
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