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Park RauischholzhausenDer GartenDer Bauherr von Schloss und Park Rauischholzhausen, Ferdinand Eduard Stumm (1843 – 1925), besaß aufgrund seiner Herkunft aus einer saarländischen Industriellenfamilie ausreichende Mittel, um sich den großbürgerlichen Wunschtraum eines ländlichen Adelssitzes erfüllen zu können. Der 1888 in den preußischen Freiherrenstand erhobene weitgereiste und vielseitig gebildete Diplomat war sehr an der Umsetzung seiner eigenen Vorstellungen wie auch an hoher Qualität interessiert. Deshalb wählte er für die Planungen mit dem Landschaftsarchitekten Heinrich Siesmayer (1817 – 1900) aus Frankfurt sowie dem Marburger Universitätsbaumeister Carl Schäfer (1844 – 1908) bedeutende Vertreter ihrer Fachgebiete aus und arbeitete eng mit ihnen zusammen.
Die alte Wasserburg der Vorbesitzerfamilie Rau von Holzhausen wurde abgebrochen und durch den „Burgteich“ ersetzt; als Standort für das neue Schloss bestimmte man eine höhergelegene Stelle im Gelände. Der Neubau war so beherrschender Mittelpunkt des Parks und auch weiter vom Dorf entfernt. Die asymmetrisch konzipierte Baugruppe mit Massiv- und Fachwerkbauteilen und abwechslungsreich gestalteten hohen Dächern und Türmen entspricht in ihrer „malerischen“ Wirkung dem bevorzugten zeitgenössischen Baustil. Wie in Gärten des Historismus der Zeit üblich, ist die unmittelbare Umgebung des Herrenhauses nach dem Vorbild englischer „pleasure-grounds“ von architektonischen und formalen Elementen geprägt. Hier finden sich ein großer Springbrunnen mit Steinfassung, Treppenanlagen, Laubengänge, beschnittene Buchsbaumhecken oder Eiben sowie Skulpturen. Zum Schloss führt vom Parktor, mit dem das Gelände an dieser Stelle gegen das Dorf abgegrenzt ist, eine in weitem Bogen gelegte Lindenallee.
Zur Umformung des vorgefundenen Bachtals waren umfangreiche Bodenmodellierungen und aufwändige Baumpflanzungen erforderlich. „Herr Legationsrat, kein Freund von kleinen Bäumen und Sträuchern und auch im Kostenpunkte nicht allzu ängstlich, ließ Hunderte von großen Bäumen (Eichen, Tannen, Buchen, Linden etc.) aus seinen Forsten mit der Maschine nach der neuen Anlage schaffen, um derselben gleich ein fertiges Aussehen zu geben“, teilt Siesmayer mit. In vier Jahren wurden 28.000 Bäume gepflanzt, die man in der Folgezeit ständig ergänzte. Dabei kamen, im zeittypischen Bestreben nach größtmöglicher Vielfalt und Besonderheit, zahlreiche exotische und seltene Gehölze hinzu. Von den schließlich etwa 200 Baumarten, für deren Nachzucht es eine eigene Baumschule gab, sind die meisten noch vorhanden. Als prächtige Solitäre, Gruppen oder begrenzende Partien sind sie in sorgfältiger Auswahl nach aufeinander abgestimmten Farbeffekten und Schattenwirkungen verteilt und an vielen Stellen gezielt als Stimmungsträger, als „Bäume für die Seele“, eingesetzt.
Die Anlage ist so konzipiert, dass mehrere weitgehend in sich abgeschlossene Parkräume bestehen, die durch Blickachsen, die Wege und den Bachlauf verbunden sind. Drei Hauptwege, der westliche und der östliche Ringweg sowie der entlang des Rülfbachs, und zahlreiche kleinere Strecken ermöglichen einen abwechslungsreichen Rundgang und das Aufsuchen einer Vielzahl von Aussichtspunkten. Diese Plätze waren oft mit Lauben oder Kleinbauten besetzt, die heute nicht mehr erhalten sind. Von hier bieten sich immer wieder Blicke auf das Schloss, das auch dadurch als Mitte der Anlage betont wird. Von diesem wiederum besteht eine Blickbeziehung zur außerhalb des Gartens stehenden Dorfkirche, die der Schlossbesitzer Stumm 1879 ganz in der Tradition adliger Grundherren stiftete. Auch die im Park an vielen Stellen aufgestellten Skulpturen, welche Stumm aus Italien mitgebracht hatte, sind Bestandteil des im Park geschaffenen Blicksystems. Den Wert des Bachlaufs für die Gestaltung des Areals hatte schon Siesmayer erkannt: „Von sehr guter Wirkung ist hier ein kleiner Bach, der von der Höhe kommt, den Park anmutig durchzieht und kaskadenartig mit dem kleinen Flüßchen in Verbindung steht.“ Zu mehreren Teichen aufgestaut und durch Wasserfälle bereichert, wurde er, wie der oberhalb verlaufende Mühlbach, zur Inszenierung des stimmungsvollen Erscheinungsbildes des Parks verwendet. Das 1938/41 von dem Sohn des Erbauers verkaufte Anwesen kam 1945 an das Land Hessen und wird heute teilweise von Instituten der Universität Gießen, das Schloss als Tagungs- und Fortbildungsstätte genutzt. In den 1980er Jahren setzten Bemühungen ein, den vernachlässigten Park nach gartendenkmalpflegerischen Prinzipien zu überarbeiten und seinem ursprünglichen Aussehen wieder anzunähern. Text: Gerd Fenner
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