Die Rekonstruktion der Gärten von Het Loo


Die Möglichkeit einer Rekonstruktion der Gärten von Het Loo war u.a. durch das sehr umfangreiche Quellenmaterial gegeben. Het Loo galt im 17. bzw. beginnenden 18. Jahrhundert als einer der  wichtigsten Gärten und war darum mehrmals beschrieben und in Stichen optisch  festgehalten worden. Gleichzeitig haben sich, unter der von Ludwig Napoleon aufgetragen Erdschicht, Reste der Originalanlage erhalten, die die Rekonstruktion vereinfachten. Ausgrabungen brachten zahlreiche informative Funde zutage, wie das fast vollständig erhaltene Mosaik im Bassin der Erdkugel, oder Hinweise zur Breite der Blumenrabatten in den Parterres.

Als Bildmaterial standen Zeichnungen, Grundrisse, Karten und Stiche zur Verfügung. Die wichtigsten Dokumente in diesem Zusammenhang waren eine, Jakob Roman zugeschriebene, äußerst exakte perspektivische Zeichnung des Gesamtkomplexes und ein Grundriss des Gartens mit detailliert ausgearbeiteten Entwürfen des Parterres, signiert von Pieter Christian van Staden. Daneben gab es Ansichten in Vogelperspektive und mehrere Serien mit Abbildungen einzelner Teilbereiche.

Von außerordentlicher Bedeutung war die Beschreibung von Walter Harris, dem Leibarzt von Willem III. Sie war im Auftrag der Königin geschrieben und 1699 herausgegeben worden. Die Königin interessierte sich sehr für Architektur, verhandelte mit dem Architekten und überwachte, wenn möglich, den Fortgang der Dinge persönlich. Nachdem sie 1689 nach England zurückgekehrt war, hinderten sie Staatsangelegenheiten daran in die Niederlande zurückzukommen. Sie hat ihr so geliebtes Het Loo, nie vollendet gesehen und soll über die Augenzeugenberichte von Harris, der sie über Erweiterungen und Verschönerungen informierte, sehr erfreut gewesen sein. Wichtig für die Rekonstruktion war, dass diese detaillierte Beschreibung von Harris Informationen brachte, die aus anderen Quellen nicht hervorgingen, wie beispielsweise Massangaben und Angaben über verwendete Materialien. Daneben wurden weitere Informationen in Tagebüchern und Reisebeschreibungen des 17. und 18. Jahrhunderts gefunden.

Wichtige Archivstücke fand man im Archiv des Nassauer Domänenrates, eines durch die Prinzen von Oranien einberufenen Rates zur Verwaltung ihrer Landgüter und Betreuung ihrer finanziellen Angelegenheiten. Diesen Archivstücken konnte in manchen Fällen entnommen werden, wer die ausführenden Künstler waren und in welchen Jahren Arbeiten durchgeführt wurden.

Aufschluss über die Bepflanzung eines Barockgartens erhielt man vor allem durch das Studium zeitgenössischer Fachliteratur. Die hierzu herangezogenen Abhandlungen über das Anlegen und den Unterhalt von Gärten waren u.a.:

- Johannes van der Groen, Hovenier van Sijn Doorluchtige Hoogheydt, den Heere Prince van Orangien, Den Nederlandtsen Hovenier, zijnde het 1. Deel van het Vermakelyck Landtleven, Amsterdam, 1699; 

- C. van den Passe, Den Blomhof, Utrecht, 1614;

- A. Munting, Waare oeffening der Planten, Amsterdam, 1672;

- H. Cause, Die Koninglijcke Hovenier, Amsterdam, 1676;

 - A. Munting, Nauwkeurige Beschrijving der Aardgewassen, Leiden und Utrecht, 1696.

Die Rekonstruktion wurde unter der Leitung von Ir. J. B. Baron van Asbeck durchgeführt, dem wiederum der Museumsstab und die Expertenkommission verschiedener Fachbereiche zur Seite standen.

Ausgangspunkt für die, während des Wiederaufbaus getroffenen Entscheidungen, waren die historischen Bauangaben. Praktische oder finanzielle Überlegungen zwangen manchmal dazu von den historischen Vorlagen abzuweichen. Man beschloß, nur den geometrischen Garten des 17. Jahrhunderts innerhalb der Mauern zu rekonstruieren. Das entfernen von Hinzufügungen späterer Jahrhunderte umfaßte das Abholzen von Bäumen und das Abtragen von Erdreich. Im 'Unteren Garten', sowie im 'Königs- und Königinnengarten', wurden vier Baumgruppen gefällt. Der Großteil der ca. 50 Bäume war, durch das Alter bedingt, in schlechtem Zustand. Da im 'Obere Garten' einzelne, sehr schöne und selten Bäume standen und dieser Gartenteil bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert im Landschaftsstil verändert worden war, beschloss man hier nur solche Bäume zu fällen, die auf Bauwerken, wie Fontänen, Mauern und Kolonnaden standen und die anderen Bäume bis zu ihrem natürlichen Absterben zu erhalten.

Im Mai 1980 begann man mit dem Bau der Mauern. Ein Betonkern wurde mit Backsteinen umkleidet, die den gefundenen Steinen in Form und Farbe ähnelten.

Zunächst hielt man die Rekonstruktion der Kolonnaden für finanziell zu aufwendig. Je weiter jedoch die Ausführung des Gartens voranschritt, desto deutlicher wurde, dass dieses Bauwerk als Abschluss des Gartens unentbehrlich war. Durch die finanzielle Unterstützung der Wirtschaft konnten die Kolonnaden im Frühjahr 1984 in Kunststein errichtet werden.

Die Vermessungsarbeiten umfassten die Rekonstruktion des ursprünglichen Achsensystems, das Auffinden der Fundamente, das Übertragen der Ausgrabungen in Karten und das Abstecken der Parterres. Hierzu wurden Papiermodelle angefertigt und die Umrisse der Parterrezeichnung von C. P. van Stadens in Originalgrösse auf Bögen projektiert und übertragen. Die Modelle wurden auf die betreffende Stelle gelegt und die Umrisslinien punktiert. Dadurch, dass man die Punkte miteinander verband, zeichneten sich die Figuren auf dem Boden ab. Auf diesen Linien brachte man dann braunes Kunststoffband an. Die Hostalithbänder unterstreichen die Figurenlinien und trennen die verschiedenen Materialien der Parterres voneinander. Die Gesamtlänge des Hostalithbandes beträgt 33 km.

Hinsichtlich der Anpflanzung war man bemüht das alte Pflanzenbild wiederherzustellen, d.h. Pflanzen zu verwenden, die im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert gebräuchlich waren. Eine Schwierigkeit bestand darin festzustellen, welche Pflanzensorten in den Beschreibungen des 17. Jahrhunderts gemeint waren. Hinzu kommt, dass im Laufe der Zeit manche Sorten ausgestorben sind.

Auch für die Rekonstruktion der Wasserspiele war der Zustand, der sich während des 17. Jahrhunderts bot, die Grundlage. Leider war es, u.a. durch den gesunkenen Wasserspiegel, nicht möglich die Wasserzufuhr und die Wasserläufe wiederherzustellen, so dass das Wasser heute umgepumpt werden muss. Angeregt durch das Vorbild des 17. Jahrhunderts, wurden in den Böschungen und auch in den Parterres Sprühinstallationen angebracht.

Die erhaltenen Stein-Figuren sind, soweit wie möglich, an ihrem ursprünglichen Platz aufgestellt worden. Vereinzelt sind, wie bei den Vasen auf der rückwärtigen Terrasse, die Originale aus Konservierungsgründen im Haus aufgestellt und im Park durch Kunststoffabgüsse ersetzt worden. Als Ersatz für die fehlenden Figuren wurde nach einer Alternative gesucht, die hinsichtlich des Materials, der Grösse, der Darstellung und der Datierung mit dem Original übereinstimmt. Vereinzelt konnten alte Exemplare durch Ankauf erworben werden, wie beispielsweise die Vasen vor den Kaskaden. Wo dies nicht möglich war, suchte man nach einem Vorbild, das kopieren werden konnte. Die Figuren wurden dann in Resine, einem Kunststoff auf Harzbasis, abgegossen. Ursprünglich in Sandstein ausgeführte Bassinumrandungen und Ornamente wurden aus Kunststein angefertigt. Der letzte Schliff, der Feinschlag, wurde jedoch auch hier von einem Bildhauer ausgeführt. Aufgrund der in den Niederlanden geltenden Sandsteinverordnung, die das Bearbeiten des Sandsteines und die damit verbundene nachteiligen Folgen für die Gesundheit des Bildhauers verbietet, konnte Sandstein nicht verwendet werden.

 
RUNDGANG

Den Garten des Schlosses betritt man durch das Unterhaus. Durch einen der Gänge unterhalb der Terrasse gelangt man zur grossen, halbrunden Treppe. Der Spaziergang beginnt oben an dieser Treppe, vor dem vergoldeten schmiedeeisernen Tor, durch das früher auch die fürstlichen Gäste den Garten betraten. Für das Verständnis des 17. Jahrhunderts ist dies der ideale Punkt um die gesamte Anlage zu überschauen, da sie von hieraus gesehen völlig symmetrisch ist.

Die von Fontänen akzentuierte Zentralachse, wird innerhalb des ummauerten Gartens von der mittleren Allee gebildet. Sie beginnt vor dem Schloss als Auffahrt und setzte sich ursprünglich hinter den Kolonnaden in einer Ulmenallee fort, an deren Ende ein hölzerner Obelisk stand. Wenn die Vordertür geöffnet ist, hat man, entlang dieser Achse, einen freien Durchblick.

Die Hauptachse ist exakt in nordsüdlicher Richtung angelegt. Am Anfang der Auffahrt, einem niedrigen von DoppelsäuIen flankierten Gitter, steht heute ein Steinobelisk, der 1901, anlässlich der Hochzeit von Königin Wilhelmina und Prinz Hendrik, aufgestellt wurde. Die vergoldeten, schmiedeeisernen Tore markieren den exakten Mittelpunkt des Vierecks der ersten Anlage. Die Begrenzungen bildeten die 'Koningslaan' vor dem Schloss, die 'Middendwarslaan' und die Mauern an der Ost- und Westseite.

In der Gedankenwelt des 17. Jahrhunderts wurde ein Garten als Abbild des Paradieses angesehen oder, der klassischen Mythologie entsprechend, als die goldene Zeit, in der Ordnung und Harmonie ohne Zwang herrschten. Die gute Herrschaft eines Fürsten konnte diese Zeit wiederaufleben lassen. In diesem Zusammenhang kann der Garten, der sich zwischen den goldenen Toren und dem Obelisken, dem Sinnbild des Ruhmes eines Fürsten erstreckte, als Symbol der guten Herrschaft des Königs Willem lII angesehen werden. Ein künstlich angelegter Garten machte auch deutlich, was das harmonische Zusammenspiel von Natur und Kunst bringen konnte. Das Nebeneinander von kultiviertem Garten und wilder Natur war im 17. Jahrhundert noch augenscheinlicher als heute, da damals auf dem umliegenden Gelände niedrige Sträucher und Heide wuchsen. Die hohen Bäume, die heute den Garten einfassen, sind Bestandteil der Parkanlagen des 19. Jahrhunderts.

Der Untere Garten ist in acht viereckige Parterres unterteilt. Die vier mittleren sind ‚Parterres de broderie', Parterres mit einer komplizierten Linienführung. Bei den anderen vier Parterres handelt es sich um Rasenparterres, d.h. Rasenflächen die von einer Buxushecke eingefasst sind. Die Parterres sind von Rabatten umgeben, in denen zwischen zwei Buxushecken, blühende Pflanzen und pyramidenförmig geschnittene Taxus- und Wacholdersträucher stehen.

Die Treppe zum Garten wird von zwei Figuren flankiert, die den Rhein und die Issel, die Flüsse zwischen denen 'Het Loo' liegt, symbolisieren. Der Entwurf wird Romein de Hooghe zugeschrieben, weil von ihm acht Zeichnungen für ähnliche Gruppen bekannt sind. Die Unterschriften zu diesen Zeichnungen betonen, dass dank des Wassers, welches die Flüsse führen, die Veluwe fruchtbar ist und die Wassermühlen und Fontänen arbeiten können. Dies ist vermutlich auch der Grund dafür, dass die Skulpturen am Anfang des Gartens aufgestellt sind. Die Figuren sind aus Stein angefertigt, der aus der Grafschaft Lingen in Deutschland stammt. Die Grafschaft war Eigentum des Königs. Die Figuren wurden 1909 zufällig beim Anlegen des Weges vom Schloss zu den Stallungen gefunden. Von 1909 bis 1983 standen sie beim Weiher des 'Alten Loos', der seitdem Figurenweiher genannt wird. 1984 sind sie nach zwei Jahrhunderten wieder an ihren alten Platz zurückgekehrt.

Bei den monumentalen Gartenvasen handelt es sich um Kunststoffabgüsse von zwei Marmorvasen des 17. Jahrhunderts. Von den vier Vasen, die ursprünglich hier standen, sind nur zwei erhalten geblieben. Diese stehen heute im Vestibule des Schlosses. Auf beiden Vasen sind auf der Vor- und Rückseite in Relief allegorische Darstellungen und eine Schriftenrolle mit Inschrift abgebildet. Auf der einen Vase sieht man Virtus, die Tugend, dargestellt von einer Frau mit einem Lorbeerkranz, einer Weltkugel und zwei Putten, sowie Scotia (Schottland), eine Frau die an einem Schild mit einer Distel lehnt.

Auf der anderen Vase ist auf einer Seite 'Fortitudo', die Kraft, abgebildet, eine bewaffnete Frau mit einer Säule. Auf der anderen Vasenseite erscheint die Aufschrift 'Je Maintiendrai' über einer gekrönten Frau mit einem Löwen und einem Reichsapfel, möglicherweise die Symbolisierung des Königtums Willem III. Die beiden verschollenen Vasen stellten vermutlich England und Irland dar.  

Neben den Darstellungen sind zahlreiche Embleme zu erkennen, die Bezug zum englischen Königtum haben, wie beispielsweise die englische Königskrone, das Ordenszeichen des Hosenbandordens, die Rose - Symbol für England, die Distel - Symbol für Schottland, die Harfe - Symbol für Irland und die Lilie - Symbol für Frankreich. Die englischen Könige beanspruchten damals immer noch Könige von Frankreich zu sein. Beide Vasen sind von Daniel Marot entworfen worden. Die erste wurde von Jan Ebbelaer geschaffen, die zweite von Jan de Blommendael.

Man setzt den Spaziergang über die Terrasse in östlicher Richtung fort. Zur Rechten sieht man den Königinnen- oder Prinzessinnengarten, den man über die Treppe am Ende der Terrasse erreicht. Er war der Privatgarten von Königin Mary, entsprechend der Lage ihrer Gemächer, an der Ostseite des Hauses gelegen. Der grösste Teil des Königinnengartens wird von den Berceaus, von Buchenhecken überwachsenen Laubengängen, eingenommen. Auch dieser Garten wurde von Daniel Marat entworfen.

Bei der Restaurierung konnte lediglich die Hälfte der ursprünglichen Laubengänge rekonstruiert werden, da an dieser Stelle ein Teil eines zu Beginn dieses Jahrhunderts errichte Anbaus, erhalten blieb. Die überdachten Laubengänge verstärken den geschlossenen und intimen Charakter des Königinnengartens. Aus den Beschreibungen von Harris und von Stichen weis man, dass sich ursprünglich fünf kleine Fontänen mit jeweils einem Tritonen in diesem Komplex befanden.

lm Parterre zwischen den Laubengängen und der Terrasse befindet sich eine achteckige Fontäne, in deren Mitte ursprünglich eine auf einem Delphin reitende, Leier spielende Arionfigur stand. Da jedoch kein passendes Vorbild für einen Arion aus dem 17. Jahrhundert gefunden wurde, hat man an dieser Stelle einen Tritonen aufgestellt. Es handelt sich hierbei um den Abguss einer niederländischen Skulptur des späten 17. Jahrhunderts, die in vergoldetem Blei aufgeführt wurde. Auf dem Marmorrand des Beckens saßen acht vergoldete Seepferdchen aus Blei, die zur Bassinmitte Wasser spien.

Für die Anpflanzung von Stauden in den Rabatten wurden vor allem solche Blumen gewählt, die als typisch weiblich gelten, wie beispielsweise Akelei und die Lilie, beide von altersher Mariensymbole. Darüber hinaus werden im Sommer exotische Kübelpflanzen, vorwiegend Zitrusfrüchte, aufgestellt. Diese Pflanzen, die nicht winterfest sind, überwintern in einer nach den Orangenbäumen benannten Orangerie.

Zur Zeit von Willem und Mary befand sich die Orangerie im Schlossflügel, zwischen dem 'Königinnengarten und der Koningslaan. In einem Inventar von 1713 werden auf Het Loo 230 seltene Gewächse aufgeführt, darunter 92 grosse und 24 kleine Orangenbäume. Daneben gab es Lorbeerbäume, Granatäpfel, Oliven, Myrthe, Oleander und Feigen. Sie dienten nicht nur zur Dekoration, sondern waren ebenso wie Gemälde, Porzellan und sonstige Kunstgegenstände, Sammelobjekte. Man war bemüht eine grosse Pflanzenvielfalt sowie besondere Exemplare zusammenzutragen.

Die älteste Orangenbäume, einige sind beinahe dreihundert Jahre alt, stammen aus der Sammlung von Hans Willem Bentinck (1649‑1709), einem Freund und Ratgeber des Königs. Er war ein Liebhaber der Gartenkunst und wurde von Willem III zum Oberintendanten der königlichen Gärten in England ernannt. Er wohnte in Den Haag auf 'Huis Zorgvliet', dem heutigen 'Catshuis'.

Der Tradition von Het Loo entsprechend sind die viereckigen Kübel weiss und die runden grün gestrichen. Die kleineren Pflanzen setzte man in Blumentöpfe aus Terrakotta und Delfter Fayencen. In der Nähe der alten Orangerie sind während der Restaurierung Scherben eines derartigen Topfes mit dem Wappen von Willem III. als König von England ausgegraben worden. Ebenso wurden Fragmente von Vasen gefunden. Sie dienten vermutlich als Vasen für die Blumen, die im Auftrag von Willem III, immer in grossen Mengen und unterschiedlichster Art die Räumlichkeiten von Prinzessin Mary schmückten. lhr Interesse an Blumen und Keramik war vermutlich ausschlaggebend für die Entstehung der ungewöhnlichen, vor allem aus England bekannten Delfter Stapelvasen. Die Fragmente, die bei Het Loo gefunden wurden, machen jedoch deutlich, dass diese Vasenform wohl in den Niederlanden entwickelt worden sein dürfte.

An der Terrassenmauer wächst Spalierobst. Auch hier entschied man sich, wie schon bei der Bepflanzung des Gartens, für alte Pflanzensorten wie: 'Present van England', Princesse Noble (Apfelsorten), Trots van Oranje (Aprikose), Oranjepeer (Birne) und moerbei.

In dem Gebäude zwischen der Terrassenmauer und dem Schloss befindet sich die Muschelgrotte. Diese Grotte gehört zu einer Reihe von Räumen Königin Mary's im Souterrain, die unter ihren Gemächern der ersten Etage liegen und von hieraus durch eine Treppe direkt zu erreichen sind. Hierzu gehört auch der gekachelte Küchen- oder Konfitürenkeller im Schloss. Den Beschreibungen zufolge befanden sich in der Grotte zwei Fontänen und eine kleine Volière. Auch an der Aussenseite war ein Vogelkäfig angebracht, so dass die Vögel durch einen schmalen Spalt in der Ecke hin und her fliegen konnten. Die Wände waren mit Muscheln und Marmorstücken verkleidet. Während der Restaurierung wurden Fragmente dieser Dekoration wiedergefunden. Aus den Fundstücken ging hervor, dass die Grotte sehr aufwendig und mit kostbaren Materialien ausgestattet war. So gab es eine Girlande aus rosafarbenen Muscheln auf feingemahlenem blauen Lapislazuli. Auch in anderen Ornamenten wurden Halbedelsteine verarbeitet.

Von der Grotte aus hatte Königin Mary einen direkten Zugang zu ihrem eigenen Garten und durch den Gang unterhalb der Terrasse auch einen Zugang zum grossen Garten. Grotten gehörten häufig zum festen Bestandteil von Landhäusern wie Het Loo eines war. Sie schufen eine Verbindung zwischen Haus und Garten. Ebenso konnte man, ähnlich wie in den Laubengängen, an warmen Tagen hier Kühle finden. Diese Grotten haben ihren Ursprung in ltalien wo das Bedürfnis nach kühlen Räumen grösser war als im Norden.

Man verlässt den Königinnengarten über dieselbe Treppe über die man gekommen ist. Auf der Terrasse bietet sich den Besucher eine schöne Aussicht über den Unteren Garten. Neben der Treppe zum Unteren Garten stehen grosse Gartenvasen aus Blei. In den Inventaren von 1713 werden 64 ähnliche Vasen aufgeführt, einige davon mit Figuren geschmückt. Die Originale sind 1795 abhanden gekommen. Bei den heutigen Vasen handelt es sich um gekaufte Exemplare des 17. und 18. Jahrhunderts.

Die Terrakottavasen auf den Mauerpostamenten sind Abgüsse eines, zu Beginn dieses Jahrhunderts gefundenen Topfes von Het Loo. Auf den Vasen sind zwei Putten mit Herkulesattributen rechts und links eines Wappenschildes abgebildet, auf dem ursprünglich vermutlich das Wappen von Willem und Mary gemalt war. Harris berichtet, dass auf den Mauern unterhalb der Terrassen 'urns and noble flowerpots´, Urnen und vornehme Blumentöpfe standen, die mit antiken und zeitgenössischen Darstellungen versehen waren. Die Taluds wurden im 17. Jahrhundert durch ein, in den Terrassen angebrachtes Röhrensystem, mit kupfernen Spritzdüsen besprenkelt.

Man läuft unten an den Terrassen entlang, zurück zur grossen Treppe, und befindet sich nun im tiefer angelegten Garten, wo man sich den Details der Anlage widmen kann, wie beispielsweise den verschiedenen Blumen, die in 110 cm breiten, von Buxushecken eingefassten Rabatten stehen, die wiederum die Parterres einfassen.

Auffallend ist, dass der Boden der Rabatten in der Mitte höher ist als an den Seiten. In den Gartenbüchern des 17. Jahrhunderts wird diese Form, auch 'dos d'âne' (Eselsrücken) genannt, ausdrücklich erwähnt. Während des Abtragens des Bodens entdeckte man in der südöstlichen Ecke des Unteren Gartens die exakte Breite der ursprünglichen Blumenrabatten. Neben diesen befindet sich ein Sandstreifen, der „bande-de-proprété“ ein Rand zum Sauberhalten, aus dem man die abgeschnittenen Buxuszweige leicht entfernen kann.

Links unter der Treppe sieht man den unter der Terrasse gelegenen Zugang zur Grotte im Königinnengarten. An der Westseite der Treppe, spiegelbildlich angebracht, befindet sich ein weiterer Eingang zu einem Raum unter der Terrasse, der im 17. Jahrhundert nicht mit den Kellern des Schlosses verbunden war. Die Funktion dieses Raumes, den Harris nicht erwähnt, ist nicht eindeutig. Auf einem Stich der Serie „Romein de Hooghes“ wird der Raum ´s Koningsbad' genannt. Der Hinweis auf eine Wasserzufuhr wurde jedoch nicht gefunden. Dagegen entdeckte man zahlreiche Skulpturenfragmente, darunter die Pinien, den Obstkorb und andere Stücke der Kaskaden.

Weiter geht es über die grosse Mittelallee zum Venusbrunnen, durch seine zentrale Lage die wichtigste Fontäne des Unteren Gartens. Die Mittelallee wird von Wasserläufen begrenzt, die in regelmässigen Abständen viereckige Ausbuchtungen haben, aus denen jeweils ein Wasserstrahl senkrecht hochsprudelt. Während der Ausgrabungen sind Teile des aus schwarzen und weissen Kieselsteinen bestehenden Mosaikbodens zum Vorschein gekommen. Bereits in alten persischen Gärten kamen ähnliche Kanäle mit kleinen Fontänen vor.

Von der grossen Mittelfontäne sind während der Restaurierung nur die Fundamente des Bassins und die Abdrücke der Marmorfliesen, mit denen der Boden gepflastert war, gefunden worden. Die zahlreich Stiche und die Beschreibung von Walter Harris gaben jedoch genügend Hinweise, so dass eine Rekonstruktion gewährleistet war. In der Mitte stand eine Venus aus Marmor mit einer Cupidofigur von dem Bildhauer Grupello (1644-1730). Sie stand auf einem Delphin und wurde von vier vergoldeten Tritonen aus Blei umgeben, inmitten bemalter und vergoldeter Riet- und Schilfhalme.

In den Halbkreisen des Brunnens erhoben sich vier vergoldete Schwäne aus Blei, die zur zentralen Figur Wasser sprühten. Möglicherweise versinnbildlicht diese Figur die aus dem Wasser geborene Venus, hier Königin Mary, die über das Meer von England nach Holland kam. Bei der heutigen Venusfigur handelt  es sich um den Abguss einer Marmorfigur aus  dem Versailler Garten, von dem Bildhauer Caspar Marsy (1629-1681). Die Figur wurde zwischen 1676 und 1680 nach einem Entwurf Charles Ie Brun (1619-1690) angefertigt. Bei den Tritonen handelt es sich um Abgüsse einer Figur, die zu einer ca. 1687 von dem Bildhauer Caius G. Cibber (1630-1700) angefertigten Brunnengruppe in Chatsworth gehört. Die Schwäne sind Abgüsse von Originalen aus Blei aus Rousham House (England) des Bildhauers Jan van Nost († 1721). Beide Bildhauer arbeiteten auch im Hampton Court für Willem III.

Von der Venusfontäne geht man in östlicher Richtung zur Himmelskugelfontäne weiter. Auf dieser bemalten Kupferkugel sind die Zeichen des Tierkreises eingeätzt. Das Wasser spritzt aus den wichtigsten Sternbildern. Die Zeichnung aus der Vogelperspektive von Jakob Roman macht deutlich, dass der Himmelsglobus und das Pendant, der Erdglobus, zunächst auf einfachen Sockeln standen. Diese sind in späterer Zeit durch vier Putti, die die vier Windrichtungen bzw. die vier Weltteile symbolisieren, ersetzt worden.

Bei der heutigen Fontäne handelt es sich um eine Rekonstruktion, da nur die Fundamente des Bassins während der Ausgrabungen freigelegt wurden. Für die Bemalung diente eine Karte von Vincenzo Coronelli (1650-1718) als Vorlage, aus dessen 1693 in Venedig herausgegeben Libro dei Globi. Für den Sockel ist die Zeichnung von Jakob Roman ausschlaggebend gewesen. Der Bassinboden aus schwarzen und weissen Kieseln ist nach dem Mosaik der Erdglobusfontäne, die fast komplett ausgegraben wurde, kopiert worden. Die Ausrichtung des Himmelsglobus wurde bei der Rekonstruktion so gewählt, dass sie dem Sternenhimmel, wie er bei der Geburt der Prinzessin Mary in London wahrzunehmen war, entsprach. Dies war am 30. April 1662, um 1 Uhr morgens.

Auf den beiden Rasenparterres stehen Marmorfiguren. Es sind dies, im südlichen Parterre Flora, Göttin der Blumen, und nördlich davon Bacchus, Gott des Herbstes. Beide Figuren gehören zum ursprünglichen lnventar des Gartens. Bei der Figur der Flora handelt es sich um einen Abguss, das Original befindet sich im Park von Het Loo.

Weiter östlich gelangt man zu der in der Mitte der Terrasse gelegenen Narcissus-Kaskade. Diese Wassertreppe ist anhand von alten Stichen und mit Hilfe von Steinfragmenten, die während der Ausgrabungen freigelegt worden sind, rekonstruiert worden. Die Skulptur stellt die mythologische Figur des Narcissus dar. Dieser wurde, nachdem er sich zum Trinken herunterbeugte, so sehr von seinem eigenen Spiegelbild gefesselt, dass er ins Wasser viel und ertrank. Er gilt als Symbol der Eigenliebe und Selbstsucht. Die Figur ist ein Abguss von einer Narcissusfigur aus Marmor des Bildhauers Gabriel Grupello, der auch die Venusfigur anfertigte.

Von der Kaskade sind einige Skulpturenfragmente, wie die Früchteschale und die Pinienzapfen, wiedergefunden worden. Die heutige Schale ist ein Abguss, die Pinienzapfen sind original. Das Maskaron ist ein Abguss einer Maske des 'Bassin de Neptune' in Versailles.

Die Marmorvase links von der Kaskade ist neben den beiden Vasen der rückwärtigen Terrasse, die einzige aus einer Serie von 12 Vasen, die laut lnventar von 1713 ehemals die Gärten schmückten, erhalten geblieben ist. Die rund um die Vase laufende Darstellung zeigt eine mythologische Opferszene. Der Bildhauer ist unbekannt. Die andere Vase ist 1714 datiert und stammt von Jan Pieter Baurscheidt (1669 - 1728) aus Antwerpen. Das Relief symbolisiert den Sommer. Oberhalb der Darstellung von Frauen - Putten mit Blumen- und Fruchtkörben - sieht man die Tierkreiszeichen dieser Jahreszeit. Die Vase wurde mit drei weiteren Vasen 1982 erworben. Sie stammen von Haus Panshanger in England, das von den Nachkommen des Prinzen Mauritz (1567 – 1625) bewohnt wurde. Zwei weitere Vasen sind bei den Kaskaden an der Westseite aufgestellt. Das Boden-Mosaik, eine mit weissen und schwarzen Kieselsteinen stilisierte Lilie, war einer der ersten Funde bei den Ausgrabungen im Zuge der Restaurierung. Die Ränder der Becken sind an den Stellen, wo das Wasser überläuft mit Kupfer verkleidet, um einen einheitlichen Wasservorhang zu erhalten.

Der Weg führt weiter entlang der seitlichen Terrasse, in nördlicher Richtung zum Oberen Garten. Nachdem man den kleinen Kanal überquert hat, steht man am Anfang der Middendwarslaan und hat einen schönen Durchblick zum Alten Loo. Dieser Weg bildet die nördliche Grenze des Unteren Gartens.

An der Ostseite befindet sich eine Tür die von zwei Spielhäuschen flankiert wird. Derartige Pavillons trifft man häufig bei holländischen Lustschlössern an. Sie hatten unterschiedliche Funktionen. Auf Het Loo dienten sie zum Aufheben von Gerätschaften.

Nach der Beschreibung von Harris war die Allee mit einer doppelter Reihe Eichen bepflanzt. lm 18. Jahrhundert wurden die Eichen gefällt und durch Buchen ersetzt. Während der Restaurierung entschloss man sich dazu wieder Eiche zu pflanzen. lm Gegensatz zu Buchen sind Eichen leichter zu beschneiden, so dass auch dann, wie sie ausgewachsen sind, der Durchblick vom Unteren Garten auf den Oberen Garten erhalten bleibt.

Völlig überraschend war der Fund der Brüstungsmauern der Kanäle. Es war nicht bekannt, dass sie jemals vorhanden waren, weil von der Middendwarslaan keine Detailansichten existieren und Harris diese Mauern, im Gegensatz zu den Kanälen, nicht erwähnt. Unter einer Sandschicht von einem Meter wurden sie, fast vollständig erhalten, wiedergefunden. Die Lufteinwirkung hatte jedoch umweltbedingte Schäden zur Folge und machte es notwendig Teile der Mauer zu erneuern. Neben den Mauern fand man noch weitere Details wie beispielsweise die Schleusen.

Der Besucher läuft nun über die Middendwarslaan, die mittlere Querallee, auf die zentrale Achse zu. Von den Brücken und Wasserpartien seitlich dieser Achse existiert zwar eine Beschreibung von Harris, doch sind die Ausführungen derart kompliziert, dass nicht eindeutig ist wie die Konstruktion zusammenhing. Auch hier lieferten die ausgegrabenen Restanten genügend Hinweise.

An den Wallseiten befinden sich vier Kaskadenbecken, zwei an jeder Seite der Brücke. Leider sind nur wenige Stücke der Sandsteinplatten, mit denen die Wallseiten verkleidet waren, erhalten geblieben.

Der Obere Garten wurde nach 1692 angelegt. Für die Fontänen im Oberen Garten wurden höher gelegene Gebiete in der Nähe von Asselt und Orden angekauft. Das Wasser wurde über ein weitverzweigtes Rohrsystem zum Garten geleitet. Aufgrund des grossen Höhenunterschiedes waren die Fontänen besonders kräftig. Das Prunkstück aber war der dreizehn Meter hohe Königsspringbrunnen. Harris berichtet, dass der zentrale Strahl von zwei Kreisen mit jeweils sechzehn Strahlen umgeben wurde, von denen der mittlere ca. vier Meter und die äußeren Strahlen ca. zwei Meter hoch spritzten. Der Durchmesser des achteckigen Bassins, das breiter ist als das Corps de Logis des Schlosses, beträgt 32,5 Meter. Die Konstruktion einer dermaßen hohen Fontäne wurde als so außergewöhnlich betrachtet, dass man es nicht für notwendig hielt, zusätzlich noch Figuren aufzustellen. Da das Wasser von natürlichen Brunnen gespeist wurde, waren die Fontänen ständig in Betrieb. Ein weiterer Vorteil war, dass das Wasser frisch war, denn in Versailles zum Beispiel, wo das Wasser umgepumpt werden musste, fing es auf die Dauer an unangenehm zu riechen.

Der Strahl der Fontäne hinter dem Königsspringbrunnen hat die Form eines Pfauenschweifes. Ursprünglich stand unter diesem Strahl eine Figurengruppe aus Marmor, bestehend aus vier Putten, die vier Weltteile symbolisierend. Das Mittelstück des aus schwarzen und weissen Kieselsteinen zusammengesetzten Bodens wurde bei der Anlage eines Zufahrtsweges zum 'Alten Loo' gefunden und während der Restaurierungsarbeiten hierher versetzt. Es handelt sich um den Bodenbelag der Fontäne eines Labyrinths aus dem 17. Jahrhunderts, das sich auf der Höhe des Königsgartens, ausserhalb der westlichen Mauer befand.

Der Obere Garten und somit die gesamte Gartenanlage wird von den Kolonnaden abgeschlossen. Bei der ersten Anlage verbanden diese halbrunden Segmente das Corps de Logis und die Seitenflügel miteinander. Von den ehemaligen Kolonnaden sind nur Fragmente erhalten geblieben, wie beispielsweise Stücke von Kapitellen, Postamenten und Fundamenten. Diese Reste lieferten jedoch genügend Hinweise, um zusammen mit der Kenntnis von klassischen Formen des 17. Jahrhunderts, eine verantwortliche Rekonstruktion durchzuführen. Die Nischen der Rückwand waren mit in Grautönen gehaltenen Götterbildern bemalt. Die Marmorbüsten die heute aufgestellt sind, standen ursprünglich ausserhalb der Mauern, in der Nähe der sogenannten 'Cijferfontein´ einer Fontäne, in der das Monogramm von Willem und Mary in Form von kleinen Kanälen nachgebildet war. Sie wurden 1885 wieder entdeckt und rund um den neu angelegten lrrgarten in der Nähe des 'Alten Loos´ installiert. Die Kolonnaden sind so aufgestellt, dass der Durchblick gewährleistet ist.

Die, in Verlängerung der Zentralachse angelegte Allee, war mit einer doppelten Ulmenreihe bepflanzt. Direkt hinter den Kolonnade fanden sich, rechts und links dieser Allee zwei 'Reposoirs', kleine offene Pavillons mit Bänken zum Ausruhen.

Auf der Höhe des heutigen Palisadenzauns befand sich eine weitere Wasserfläche und ein Kanal, welche, laut Harris, den Durchgang versperrten. Die Stiche vermitteln jedoch den Eindruck, dass sich rechts und links zwei Treppen befanden, die den Durchgang gewährleisteten. Hinter den Kolonnaden lagen die Gemüsegärten.

Ebenso wie im 17. Jahrhundert kann man heute über Treppen auf das Dach der Kolonnaden steigen. Der Aufstieg wird mit einem prächtigen Ausblick über den gesamten Garten und die Schlossanlage belohnt. Von hieraus wird deutlich, dass das Schloss durch die Terrasse auf ein Postament gestellt wird. Die Backsteinterrasse wirkt zugleich wie ein Sockel für das Corps de Logis. lm 18. Jahrhundert wurden Theaterstücke bei den Kolonnaden aufgeführt, beziehungsweise dienten sie als Kulisse für Feuerwerksvorführungen.

Der Besucher spaziert zurück über die Middenlaan zu den Brücken, die über den Kanälen der Middendwarslaan liegen. Links sieht man eine grosse Marmorskulptur, den Raub der Sabinerinnen darstellend, 1696 von Albert Xavery (tätig 1676‑1696) geschaffen. Sie stand ursprünglich in den Gärten von Paleis Noordeinde und Huis den Bosch und wurde 1980 nach Het Loo gebracht.

Die Sandsteinvasen in den rechteckigen Parterres wurden Königin Wilhelmina von Prinz Hendrik geschenkt und standen bis zur Restaurierung vor dem Schloss. Sie stammen, zusammen mit zwei gleichen Pendants, von dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Landhaus Groenestein an der Vecht bei Breukelen. Die Pendants befinden sich heute bei Huis Singraven, in der Nähe von Oldenzaal.

Dadurch, dass man bemüht war im Oberen Garten möglichst viele Bäume des im 19. Jahrhundert im Landschaftsstil angelegten Gartens zu erhalten, konnten die Parterres nur teilweise rekonstruiert werden. Ursprünglich befanden sich in der Mitte sechs ausgearbeitete Parterres und an jeder Seite der Mauer drei einfache Rasenparterres. Von dem Baumbestand sind die beiden Rotbuchen und an der Ostseite der Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) besonders erwähnenswert. Letzterer ist vermutlich das grösste Exemplar dieser Sorte in den Niederlanden.

Der Besucher überquert die Kanäle und kehrt in den Unteren Garten zurück. Bevor man in diesen Garten gelangt kommt man an den halbrunden Balustraden vorbei. Sie bilden den Abschluss des Unteren Gartens, ähnlich wie die Kolonnaden den optischen Abschluss der gesamten Gartenanlage bilden.

Bei den mittleren Figurengruppen auf den Balustraden handelt es sich um zwei Sphinxen auf je einer Bildtafel. Die eine Tafel zeigt ein in Griechisch verfasstes Rätsel und die andere dessen Auflösung. Das Rätsel, das von Ödipus gelöst wurde, lautet: „Wer läuft morgens auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen?“ Die Lösung lautet: der Mensch, der als Baby kriecht, als Erwachsener läuft und im Alter einen Stock benötigt.

Die Sphinxen waren in der Ideenwelt des 17. Jahrhunderts die Bewacher des Paradiesgartens. Die anderen zwei Bildgruppen zeigen die Wölfin, die Romulus und Remus, die Gründer Roms, genährt hat. Die Figuren datieren von 1692. Anfänglich standen auf den Balustraden vier Steinvasen.

Direkt vor der Balustrade befindet sich der ovale Herkulesbrunnen, der den jungen Herkules bei seiner ersten Heldentat zeigt, als er in seiner Wiege zwei, von der eifersüchtigen Göttin Hera geschickte Schlangen, würgt. Herkules galt als Sinnbild sowohl der angeborenen fürstlichen Tugenden als auch als Held, in dem alle Tugenden verkörpert sind.

Auf Gemälden und Stichen mit allegorischen Darstellungen und in der Literatur wird Willem III gelegentlich als Herkules dargestellt. Möglicherweise ist diese Figur des Herkules als Kind ein Hinweis auf die Tatsache, dass Willem III sich von seiner Geburt ab zur Wehr setzen musste. Das Bild ist eine etwas vergrösserte, spiegelbildlich angefertigte Kopie einer griechischen Marmorfigur aus der Louvresammlung.

Über die Middenallee gelangt man zum Venusbrunnen. Hier biegt man rechts ab zum Brunnen mit der Weltkugel. In der Mitte des Weges befindet sich ein kleiner Kanal mit einem Boden aus schwarzen und weissen Marmorsplittern. Diese kleinen Wasserläufe wurden während der Grabungen gefunden. Sie waren weder aus einer Beschreibung noch von Stichen bekannt. Einen noch grösseren Fund an dieser Seite des Gartens stellte der Bassinboden der Erdkugelfontäne dar, der abgesehen von Beschädigung, die im 19. Jahrhundert bei der Anlage eines Abwasserkanals entstanden war, völlig intakt vorgefunden wurde.

Der Globus ist ebenso wie die Himmelskugel nach Karten von Coronelli bemalt. Die Beschreibungen hierzu stimmen nicht immer ganz überein. So ist einmal die Rede von Wasser das aus den wichtigsten Hafenstädten spritzt, ein anderes Mal sind es die Hauptstädte aus denen der Wasserstrahl tritt. Die Putten, die die Erdkugel tragen, stellten die vier, damals bekannten, Weltteile dar. Die Form des heutigen Sockels basiert, ebenso wie die Form des Sockels der Himmelskugel, auf den Vogelflugzeichnungen Jakob Romans. Im Gegensatz zu den, auf der Ostseite des Gartens aufgestellten Figuren Bacchus und Flora, sind die beiden anderen Marmorskulpturen der Rasenparterres nicht erhalten geblieben. Sie stellten den Sonnengott Apollo und Pomona, die Göttin der Früchte, dar.

Im Nordwestparterre befindet sich nun eine, ursprünglich von 'Huis den Bosch' stammende, Figurengruppe aus Marmor. Bisher war es noch nicht möglich die beiden Figuren, von der eine einen Apfel in der Hand hält, eindeutig zu identifizieren. Bei der Apollofigur handelt es sich um den Abguss einer niederländischen, ca. 1720 datierten Sandsteinfigur von 'Huis te Manpad' bei Heemstede.

In der Mitte der westlichen Terrasse befindet sich die Arionkaskade. Dieser Held der Mythologie galt als Vorbild für den Menschen, der in schwierigen Momenten die richtige Entscheidung zu treffen weiß. Als Seeräuber Arion damit drohten ihn über Bord zu werfen, bat er diese noch einmal auf seiner Leier spielen zu dürfen. Sein Spiel lockte Delphine an, die ihn sicher ans Ufer brachten. Bei der heutigen Darstellung handelt es sich um den Abguss einer 1684 von dem Bildhauer Jean Raon (1630-1707) angefertigten Arionstatue aus dem Versailler Garten. In der Beschreibung von Harris und auf fast allen Stichen wird in dieser Kaskade eine Figur Galatheas mit einer Leier in der Hand abgebildet. Da keine Darstellung von ihr mit diesem Instrument bekannt ist, hat man sich dazu entschlossen, an dieser Steile, einem Stich Romein de Hooghes entsprechend, eine Arionfigur aufzustellen.

Die Marmorvasen unterhalb der Kaskade sind, ebenso wie die Vase bei der Kaskade in der Ostterrasse, von Jan Pieter Baurscheidt und stammen von Haus Panshanger in England. Die Szenen stellen Umzüge von Bachanten dar.

Von der Kaskade läuft man an der Terrasse entlang in Richtung des Oberen Gartens. Die erste Stufe der Treppe an der Nordseite dieser Terrasse wurde während der Restaurierungsarbeiten gefunden. Dieser Fund ermöglichte es die exakte Breite und Höhe der Treppe festzustellen. Zugleich wurde deutlich, dass die Beschreibung von Harris, in der die Breite angegeben wird, so zuverlässig war, dass bei anderen Gelegenheiten seine Maßangaben übernommen werden konnten.

Über die Terrasse, zurück in Richtung des Schlosses laufend, kann der Besucher die schöne Aussicht über die Gärten mit dem Paleis im Hintergrund geniessen. Auf halbem Weg kommt man an der Treillage vorbei, einer nach einer Stichvorlage ganz aus HoIzIatten angefertigten Konstruktion.

Am Ende der Terrasse gelangt man in den Königsgarten, der, dem Königinnengarten entsprechend, ein Parterre und eine Obstbaumpflanzung entlang der Mauer aufweist. Anstelle der Berceaus befindet sich hier jedoch eine Klosbaan, eine Rasenfläche, auf der verschiedene Ballspiele gespielt wurden. Der Name ist dem 'KIossen´ entnommen, einem Spiel das mit Stöcken gespielt wurde und dem heutigen Golfspiel ähnelt. Auf Stichen wird ein weiteres Spiel dargestellt, das dem französischen „jeu de boules“ ähnlich ist.

Der Baum, der in der Klosbaan steht, ist eine 'Maple', eine kanadische Esche. Er war ein Geschenk von Prinzessin Juliana an ihre Mutter, zur Erinnerung an deren Aufenthalt in Kanada während des zweiten Weltkrieges. Die Blumen im Parterre des Königsgartens sind, übereinstimmend mit der Wandbespannung des Schlafzimmers von Prinz Willem Ill., orange und blau, Farben, die Oranien und Nassau symbolisieren.

Während der Restaurierung wurde eine Treppe vom Keller des westlichen Aussenpavillons in den Königsgarten entdeckt. Sie liegt in der Verlängerung der Privattreppe des neuen Kabinetts des Königs, so dass Willem III. einen direkten Zugang zum Garten hatte. In den niedrigen Flügeln längs des Königsgartens waren ursprünglich die Stallungen untergebracht.

Der Besucher kann den Garten durch einen Durchgang am Ende des westlichen Flügels zum Basse-cour verlassen oder zu den Eingängen rechts und links der grossen Treppe zurückgehen.

In der Mitte des Vorplatzes, der Tradition entsprechend, Basse-cour genannt, steht der Delphinbrunnen mit vier Delphinen deren Schwanzflossen ineinander verschlungen sind. Delphine gelten als Sinnbild der Tugenden. Sie waren u.a. das Symbol ständiger Wachsamkeit, insbesondere eines kriegsführenden Fürsten. Dass die Delphine auf dem Basse-cour in alle Windrichtungen schauen, soll vermutlich verdeutlichen, dass die Wachsamkeit Willem lII. allgegenwärtig war. Die Marmorgruppe wurde 1972 unter den Kellern des 'Alten Loos' ausgegraben. 1695 waren die Delphine durch zwei Tritonen ersetzt und zur Volière in die Nähe des 'Alten Loos' gebracht worden. Vermutlich waren sie von dem Hausmeister Johan Hendrik Roschet, der in dem Schloss lebte, hierher in Sicherheit gebracht worden.

Die drei Alleen vor den großen Gittern wurden zu verschiedenen Zeiten angelegt. Die mittlere Allee datiert von 1685 und war der ursprüngliche Zufahrtsweg. Die Allee begann beim Einfahrtstor, ca. 600 m südlich vom Schloss und war mit doppelten Eichenreihen bepflanzt. Vor der Einfahrt befand sich ein sogenanntes 'pate d'oie', ein drei Wege-System: eine verlängerte Allee und zwei, in einem Winkel von 36° liegende Alleen.

Die östliche Allee, die vom Basse-cour zum Loseweg führte, wurde unter Ludwig Napoleon als Teilstück eines nicht ausgeführten geometrischen Wegnetzes angelegt. Die dritte Allee verbindet das Schloss und die 1909 errichteten Stallungen miteinander.